ARBEITSRECHT: Was muss ein Arbeitnehmer bei einer Epidemie beachten?

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Published on 29 Feb 2020, 15:54
Wer als Arbeitnehmer in irgendeiner Weise mit der Coronaepidemie konfrontiert wird, genießt einen weitreichenden Schutz. Er hat aber auch Pflichten. Fragen und Antworten:

KÖNNEN BERUFSTÄTIGE ZU HAUSE BLEIBEN, WENN DIE KITA ZU IST?
Grundsätzlich müssen Beschäftigte selbst für die Betreuung des Kinds sorgen, wenn die Kita wegen Coronaverdachts geschlossen wurde. "Auf jeden Fall sollten Eltern mit dem Arbeitgeber sprechen und nach Lösungen suchen", rät Kaarina Hauer von der Arbeitnehmerkammer Bremen. Heimarbeit kann eine Lösung sein.

KÖNNEN BESCHÄFTIGTE BEI EIGENEM INFEKTIONSVERDACHT DAHEIM BLEIBEN?
Wer allein aufgrund einer vermuteten Infektion zu Hause bleibt, kann dies als Arbeitsverweigerung ausgelegt bekommen. Im Verdachtsfall sollte der Arbeitgeber aber auf jeden Fall informiert werden. Er kann dann über eine Freistellung entscheiden.

DARF DER ARBEITGEBER MITARBEITER BEI VERDACHT HEIM SCHICKEN?
Arbeitnehmer müssen grundsätzlich solange beschäftigt werden, wie sie arbeitsfähig sind. Urlaub oder Überstundenabbau sind nur erlaubt, wenn Beschäftigte das beantragen.

DÜRFEN DIENSTREISEN IN ANSTECKUNGSGEBIETE ANGEORDNET WERDEN?
Eine befürchtete Ansteckung am Zielort reicht nicht aus, um eine Dienstreise zu verweigern. Nur wenn es für das jeweilige Land eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amts gibt, kann der Arbeitnehmer nein sagen.

MUSS DER ARBEITGEBER DESINFEKTIONSMITTEL ZUR VERFÜGUNG STELLEN?
Das hängt stark vom einzelnen Betrieb ab. "Je mehr Kundenkontakt ein Betrieb hat, desto eher wird er auch Desinfektionsmittel zur Verfügung stellen müssen", sagt die Bremer Expertin Hauer. 

KANN EIN MITARBEITER UNTER QUARANTÄNE ZUR ARBEIT ZITIERT WERDEN?
Nein - wer zu Hause, im Hotel oder im Krankenhaus bleiben muss, entscheiden die zuständigen Behörden. "Einer Quarantäneanordnung darf man sich auch nicht widersetzen, auch wenn der Arbeitgeber das vielleicht verlangt oder man selbst der Auffassung ist, nicht in Quarantäne zu gehören" mahnt Hauer.

BEKOMMT EIN ARBEITNEHMER IN QUARANTÄNE WEITER SEIN GEHALT?
Ja - in den ersten sechs Wochen, wie der Barmer-Arbeitsrechtler Wilhelm Mansberg erläutert. Ab der siebten Woche einer Quarantäne werde eine Entschädigung in Höhe des Krankengelds gezahlt. Diese müsse der Betroffene aber selbst bei der dafür zuständigen Landesbehörde beantragen. Arbeitgeber können sich die Kosten für die Weiterbezahlung von der zuständigen Behörde erstatten lassen, wie die Bremer Arbeitnehmerkammer betont.


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