Debatte: Grundrechte zurück für Geimpfte? | Markus Lanz vom 27. Juli 2021

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Published on 28 Jul 2021, 6:51
Die Quote der vollständigen Impfungen steigt momentan zwar langsam, aber stetig. Daher wird auch die Debatte nach den Grundrechten und Freiheiten der vollständig Geimpften größer. Doch die Lager spalten sich, denn für die einen ist es der richtige Schritt zurück in die Normalität, doch für die anderen ist es nur eine einschleichende Impfpflicht.

Für die FDP-Gesundheitsexpertin ist ein Schritt weiter zurück in die Normalität wünschenswert, doch würde der Weg über die Rückgewinnung der Grundrechte nur für geimpfte Personen der falsche Ansatz sein. Denn vergessen hierbei würden ganz logisch diejenigen, die dieses nicht sind. Daher plädiert sie für die weitere Strategie „Geimpft, Genesen, Getestet“ auf einen langfristigen Zeitraum. Doch nicht in dem vollen Umfang wie bisher, denn mittlerweile nähere man sich dem Punkt, an dem jeder Mensch sich impfen lassen und zum Schutz der Bevölkerung beitragen könne. Doch diejenigen, die noch skeptisch gegenüber den neuen Impfstoffen sind, sollte man durch Aufklärung und zielgruppenorientierte Ansprache ermutigen, während Impfgegner schwieriger für die Impfkampagne zu gewinnen sind. Deshalb werde in sehr absehbarer Zeit das Testen auf Kosten der Bevölkerung kein legitimer Grund mehr sein, außer vielleicht als einmaligen Test für eine Woche, um zum Beispiel die Gastronomie zu besuchen. Jeder weitere Test solle dann privat finanziert werden, da die Möglichkeit die Impfung bewusst nicht genutzt zu haben, nicht wahrgenommen wurde.

Für die Theologin Petra Bahr vom deutschen Ethikrat spielt vor allem der Gemeinschaftsschutz eine wichtige Rolle bei der Debatte. Denn was viele Menschen bei der Impfung im Sinn haben, sei der individuelle Schutz vor dem Corona-Virus. Für die gesamte, epidemische Entwicklung ist die breite Impfung der Masse allerdings ein sehr entscheidender Punkt, wodurch auch moralische und ethische Probleme mit einhergehen. Geimpfte seien zwar vor einem schweren Verlauf der Krankheit geschützt, doch können sie es an Ungeimpfte, die sich bisher nicht impfen lassen können, weiter verbreiten. Hierzu gehören Menschen mit Immunerkrankungen, aber auch noch die Kinder, für die der Unterricht im Herbst wieder anfängt. Daher solle man das Impfen nicht als individuellen Schutz, sondern als solidargemeinschaftliche Aufgabe sehen. Und deswegen wäre die Debatte über die Rechte von Geimpften noch nicht an der richtigen Zeit.

Den gesamten Talk findet ihr hier: kurz.zdf.de/GrGyT

Weitere Gäste in der Sendung:

Peter Wohlleben, Förster
Der Bestsellerautor schildert, wie er in der Eifel die Flutkatastrophe aus nächster Nähe erlebte. Er sagt: „Ein intakter Wald könnte auch große Wassermassen wegstecken.“

Gerhard Scheuch, Biophysiker
Der Aerosol-Forscher beschäftigt sich mit den Übertragungswegen von Viren. Er skizziert die Spezi-fika der Delta-Variante des Corona-Virus und er prognostiziert den weiteren Pandemieverlauf.
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#Corona #Impfen #Grundrechte
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