VERZWEIFLUNG IM AHRTAL: Auch drei Monate nach der Flut sind die Zukunftssorgen groß

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Published on 14 Oct 2021, 17:15
Der 80 Jahre alte Gerd Gasper und seine Frau Elfriede aus dem Ahrtal versuchen sich auf eine lange Übergangszeit einzustellen. Die Winzerfamilie Stodden hat immer noch kein warmes Wasser. Manuela Göken und Daniel Schmitz haben neu angefangen. Lokführer Peter Filz muss jetzt eine andere Strecke fahren. Und Wolfgang Ewerts will Weihnachten wieder in seinem Haus feiern.

Drei Monate nach der Flutkatastrophe vom 14. auf den 15. Juli sind viele Häuser im Ahrtal abgerissen und große Teile der Dörfer nicht mehr zu erkennen. «Hier ist abends kein Mensch, und es brennt nirgendwo Licht», sagt Gerd Gasper in seinem vollständig entkernten Haus in Altenahr-Altenburg. Viele Häuser oder Etagen wurden in den Rohbau zurückversetzt, überall laufen Trockengeräte. Müllberge werden geschreddert, freie Flächen planiert und das Ahr-Ufer stellenweise wieder hergestellt. Dazwischen pflanzen einige Menschen Blumen.

Die Horrornacht, in der die Wassermassen ihr gesamtes Hab und Gut vernichtet und mit dickem, übelriechendem Schlamm überzogen haben, kriegen die Gaspers nicht aus dem Kopf. «Es ist uns nichts geblieben, außer dem, was wir anhatten», sagt Gerd Gasper und zeigt auf sein einziges Paar Schuhe. «Um das richtig zu verkraften, müsste man 20 Jahre jünger sein», fügt der 80-Jährige hinzu. «Wir hatten alles fertig für den Lebensabend.»

Es werde noch mindestens einen Monat dauern, bis die Wände getrocknet seien. Dann müssten Handwerker gefunden werden. Für die gesamte Sanierung ihres Hauses müssten sie wohl mit eineinhalb bis zwei Jahren rechnen, sagt Elfriede Gasper. Solange kann das Paar bei seiner Tochter und deren Familie unterkommen - einige Kilometer von der Ahr entfernt. Weil dort aber nicht so viel Platz ist, übernachten die Gaspers in einer Ferienwohnung. Nach ihrem Haus schauen sie jeden Tag. Gerd Gaspers Elternhaus, gleich nebenan, in dem sein Bruder Bernd mit Frau gelebt hat, musste abgerissen werden.

Vielen Bewohnern der Katastrophenregion kommen immer wieder die Tränen, wenn sie erzählen, was sie erlebt und was sie vor sich haben. Sie liegen nachts wach und grübeln, wie es weitergeht, was sie als Nächstes tun können - und was sie mit dem Hilfsgeld wieder aufbauen können. «Ein ganzes Tal ist weg, auf über 40 Kilometern alles kaputt», sagt Gasper. Mehr als 40 000 Menschen sind betroffen.

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