Die Verantwortung der STIKO in der Pandemie | Markus Lanz vom 01. Dezember 2021

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Published on 2 Dec 2021, 7:29
In der gesamten Pandemie wurde auf sie gehört: Die ständige Impfkommission, kurz STIKO.
Bei jeder Impfstoffdebatte fiel ihr Name, denn das Expertengremium nahm sich viel Zeit, um Empfehlungen für die zugelassenen Impfstoffe auszusprechen. Doch wie groß war, und vor allem sollte ihr Einfluss in der Pandemie sein? Und warum braucht sie so lange für ihre Empfehlungen, während andere Länder schon viel früher Impfmaßnahmen ergriffen?

Dr. Martin Terhardt ist eines der 18 Mitglieder der STIKO, die ehrenamtlich in diesem Gremium arbeiten. Drei der Mitglieder arbeiten in Vollzeit. Schon an diesem Punkt sieht man bei den anderen Gästen im Studio verblüffte Blicke, denn einige wussten nicht, dass so wenige Mitglieder das Gremium abbilden.

Für manchen, wie dem Ministerpräsidenten Stephan Weil, scheint dies ein Anzeichen dafür zu sein, dass diesem doch so wichtigen Gremium wenig Ressourcen zur Verfügung stehen und deshalb die Entscheidungsprozesse so lange dauern können.

Dass der STIKO allerdings so eine hohe Relevanz in der Pandemie zugesprochen wurde, sieht Herr Terhardt nicht wirklich. Seine Aufgabe sei es, Empfehlungen auszusprechen, während im Gegensatz die Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) konkrete Zulassungen für Impfstoffe ausspricht. Die Bundesregierung könne allein entscheiden, wie und wann Impfstoffe einzusetzen sind, wenn die EMA ihre Zulassung ausgesprochen hat.

Ganz so einfach sieht es Her Weil allerdings nicht. Es stimme zwar, dass die Regierung frei entscheiden kann, doch in der Gesellschaft hätten viele Menschen auf die Empfehlung der STIKO gehört. Am besten hätte man dies bei dem Astrazeneca-Debakel im Frühjahr beobachten können, als die Regierung und die STIKO unterschiedliche Altersangaben und Empfehlungen für diesen Impfstoff aussprachen, die STIKO etwas später ihre Empfehlung sogar nochmals anpasste.
Und auch viele Ärzte in Deutschland würden auf die STIKO hören, weshalb dieses Gremium einen viel gravierenderen Einfluss in dieser Pandemie habe, als es Herr Martin zugibt.

Deshalb wäre es so schlimm für die andern Gäste, dass die STIKO in einer enormen Krisenzeit wie der Corona-Pandemie lange für ihre Entscheidungen braucht, während andere Nachbarstaaten in der EU viel schneller handeln. Die STIKO arbeite sehr genau mit den ihr vorliegenden Daten, erklärt Herr Terhardt. Deshalb müsse man oft warten, bis man eine genaue Datenlage angesammelt hat und wirkliche Empfehlungen ausgesprochen werden können. In einer normalen Zeit ohne Corona bräuchte die STIKO für eine genaue Empfehlung eigentlich zwei Jahre, weshalb schon jetzt in der Pandemie schnell bei der STIKO gearbeitet wird. Doch man wolle auch nicht ungenau arbeiten, denn hier sieht Herr Terhardt zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft.


Den gesamten Talk findet ihr hier: kurz.zdf.de/uXS

Weitere Gäste in der Sendung:

Hannah Bethke, Journalistin
Die „NZZ“-Redakteurin analysiert das Corona-Management im Berliner Machtvakuum sowie die politische Kommunikation. Beim Impfen sieht sie aber auch Verantwortung bei den Bürgern.

Prof. Dirk Brockmann, Physiker
Der Digital-Epidemiologe hinterfragt die Wirksamkeit der geltenden Anti-Corona-Maßnahmen. Zudem äußert er sich zur Impfpflicht-Debatte sowie zur Virusvariante Omikron.

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#Lanz #Stiko #Impfen
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